Berlin S 59

Die Berliner Postbezirke wurden 1873 durch eine Anweisung des Kaiserlichen Generalpostamtes festgelegt. Das damalige Berliner Stadtgebiet wurde dabei in neun Postbezirke eingeteilt, die nach den Himmelsrichtungen benannt wurden, also C für Centrum, N für Nord, SO für Südost usw.

Diese Bezeichnungen waren bis zur Einführung der vierstelligen Postleitzahlen (1962 in der BRD, 1965 in der DDR) die postalischen Ortsbezeichnungen der Berliner Stadtteile.

Seit 1892/93 war das Postamt 59 in einem Wohnhaus in der Böckhstraße 11 untergebracht.

Der Postbezirk S 59 befand sich im Südosten des Berliner Bezirks Kreuzberg und wurde begrenzt vom Landwehrkanal im Norden (Planufer), vom Kottbusser Damm im Osten, von der Hasenheide im Süden und von den Straßen Am Urban / Fontanepromenade im Westen. Das Gebiet wird heute auch als „Graefekiez“ bezeichnet, was aber kein historischer Name ist.

Berlin S 59 gehörte zur Tempelhofer Vorstadt und damit zum späteren „Kreuzberg 61“ (nach der Postleitzahl 1000 Berlin 61). Die Tempelhofer Vorstadt wurde 1861 als eigener Stadtteil nach Berlin eingemeindet und bestand damals zum größten Teil aus Acker- und Weideland.

Nach Plänen von Peter Joseph Lenné aus den Jahren 1840-1855 und dem „Bebauungsplan der Umgebungen Berlins“ (sog. Hobrecht-Plan) von 1862 sollte auf dem Gebiet der Tempelhofer Vorstadt ein neues Wohngebiet entstehen, um dem rasanten Bevölkerungswachstum Berlins zu begegnen.

Die Pläne für die südliche Erweiterung Berlins um die Tempelhofer Vorstadt sind in den Abteilungen II. und III. des Hobrecht-Plans enthalten. Hierin wurde der künftige Verlauf von Straßen und die Lage von Plätzen festgelegt und ausgewiesen, welche Gebiete zum Wohnungsbau zur Verfügung standen. Die Straßen wurden zunächst mit Zahlen bezeichnet, die Plätze mit Buchstaben.

Damals existierten im späteren S 59 bereits die Straßen Hasenhaide (seit 1678; 1907 geändert in „Hasenheide“) und Rixdorfer Damm (seit dem 16. Jahrhundert; vor 1874 umbenannt in Cottbusser Damm). Diese beiden Straßenzüge bildeten die östliche und südliche Begrenzung des Baugebiets. Die nördliche Grenze bildete der Landwehrkanal mit dem Planufer (seit 1849).

Als optische Verlängerung („Sichtachse“) des Luisenstädtischen Kanals wurde der Straßenzug Am Urban / Fontanepromenade geplant, der das Gebiet nach Westen abgrenzte.

Das so eingegrenzte Baugebiet wurde durch nahezu rechtwinklig verlaufende neu anzulegende Straßen gegliedert. Aber auch bereits existierende unbefestigte Wege wurden in die Stadtplanung mit einbezogen, so ein Kolonnenweg Richtung Hasenheide (spätere Fichtestraße) und ein Weg entlang der sogenannten Schlächter-Wiese (einer sumpfigen Weide, wo die Schlächter-Innung Schafe hielt), aus dem später die Urbanstraße entstand.

In den 1860er und 1870er Jahren wurden die geplanten Straßen angelegt. Baugesellschaften, Banken und Kaufleute kauften die so entstandenen Parzellen, und viele Grundstücke wechselten innerhalb kurzer Zeit mehrfach (und vermutlich gewinnbringend) den Besitzer.

Innerhalb weniger Jahre entstanden zunächst Holz- und Kohlenplätze und schließlich  eine einheitliche Wohnbebauung mit wenigen Hinterhöfen. In die Häuser zogen Handwerker, Angestellte und Witwen, die wohl das eine oder andere Zimmer an zugezogene Arbeiter vermieteten.

1920 ging die Tempelhofer Vorstadt im Rahmen der Gründung von Groß-Berlin zusammen mit einem Teil der Luisenstadt, der südlichen Friedrichstadt und der Oberen Friedrichsvorstadt im neugebildeten Bezirk Kreuzberg auf.

[wird fortgesetzt]

Weiterführende Quellen

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Eine Antwort zu “Berlin S 59

  1. Uwew Auerswald

    …habe eine Foto einer Schulklasse Boeckhstraße vor dem 1. WK

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