Chronik

vor 1700

Vor der Berliner Stadtmauer wird zwischen Schlesischem und Halleschem Tor ein sogenannter „Landwehrgraben“ angelegt, eine vor der Stadtmauer liegende Feldbefestigung. Dies ist der Ursprung des späteren Landwehrkanals.

1705

Der Schafgraben, ein Entwässerungsgraben, der Wasser aus dem Sumpfgebiet südlich vom damaligen Berlin in die Spree ableitete, wird zum Floßgraben ausgebaut, um die Holztransporte zum Königlichen Holzplatz am Halleschen Tor zu erleichtern. Dieser Graben wird später in den Bau des Landwehrkanals einbezogen.

19.6.1811

In der Hasenheide wird ein umzäunter Platz mit Turn- und Spielgeräten eingeweiht, der von den Gymnasiasten der Plamann’schen Anstalt und ihrem Hilfslehrer Friedrich Ludwig Jahn (1778-1852) genutzt wird. Dieser Platz ist die Keimzelle für die Turnbewegung des 19. Jahrhunderts.

1812

Der Turnplatz in der Hasenheide zieht mehr und mehr Interessenten an und wird verlegt und vergrößert.

1817

Der Turnplatz in der Hasenheide ist mittlerweile so groß, dass bis zu 1.600 Turner gleichzeitig üben können.

1818

Ein Plan zur Entlastung der Spree wird erstellt.

Die Transportkapazität der Spree reicht nicht mehr aus; insbesondere die Mühlendamm-Schleuse ist den Anforderungen nicht mehr gewachsen. Die Schleusenkammern sind zu schmal und zu kurz, die Wartezeiten unzumutbar lang. Es entsteht die Idee einer Wasserstraße, die den Durchgangsverkehr außen um die Stadtmauern herumleiten soll.

Der Plan sieht einen Umgehungskanal mit einer Sohlenbreite von 11,30 m und einer Mindestwassertiefe von 1,26 m vor.

1819

Die preußische Regierung verbietet das öffentliche Turnen; der Turnplatz in der Hasenheide wird geschlossen, Friedrich Ludwig Jahn wird verhaftet. Mit den sog. Karlsbader Beschlüssen werden liberale und nationale Ideen als Volksverhetzung begriffen. Darunter fällt auch die durch Jahn begründete Turnerbewegung.

1820

Der 1818 beschlossene Bau eines Umgehungskanals (späterer Landwehrkanal) zur Entlastung der Spree wird aus Kostengründen von König Friedrich Wilhelm III. abgebrochen.

1840

Der Stadtplaner und Gartenarchitekt Peter Joseph Lenné konzipiert auf der Basis der Pläne von Oberbaurat Johann Carl Ludwig Schmid von 1825 einen Bebauungsplan für den Süden Berlins.

Es entstehen Planungen zur Bebauung des Köpenicker Feldes (spätere Luisenstadt), zum Bau des Landwehrkanals und des schon bei Schmid vorgesehenen Verbindungskanals vom Landwehrkanal zur Spree (Luisenstädtischer Kanal).

Mit dem Bau des Landwehrkanals verfolgt Lenné die alte Idee eines Entlastungskanals für die Spree (1818-1820 vorbereitet aber nicht gebaut). Neben seinem eigentlichen Zweck soll der Kanal außerdem für die Entwässerung der Felder sorgen, die als Bauland vorgesehen sind und den Materialtransport zu den Baustellen erleichtern.

1844

Nach der Aufhebung des öffentlichen Turnverbots im Jahr 1842 wird erneut ein Turnplatz in der Hasenheide eingerichtet.

1845

Baubeginn für den Landwehrkanal als Entlastung für die Spree.

6.11.1849

Das Planufer erhält seinen Namen nach dem alten Namen „der Plan“ (Wiesenplan), wie die alte Schlächterhütung (später Am Urban) vor dem Halleschen Tor hieß.

Das Ufer ist nach der Neuanlage des Landwehrkanals entstanden.

2.9.1850

Einweihung des ca. 10,4 km langen Landwehrkanals, der seit 1845 als Entlastungskanal der Spree gebaut wurde.

Der Landwehrkanal hat bei einer Mindesttiefe von 1,57 m eine Wasserspiegelbreite von 22,60 m, ist an der Sohle aber nur zehn Meter breit, die Ufer sind also stark abgeschrägt, so dass Schiffe nicht direkt anlegen können. Durch Schleusentore an beiden Endpunkten (Oberschleuse an der Lohmühleninsel und Unterschleuse) lässt sich die Wassertiefe regulieren, sie sinkt nie unter 1,50 Meter, unabhängig vom Wasserstand der Spree.

Nach den Plänen Lennés werden am Landwehrkanal baumbestandene Uferpromenaden angelegt, die zur Erholung der Einwohner in den neu entstehenden Stadtvierteln dienen sollen. Allerdings hat Berlin noch keine Kanalisation, so dass die Abwässer ungeklärt in den Kanal fließen, in dem die Anwohner auch waschen und baden.

15.5.1852

Eröffnung des Luisenstädtischen Kanals

1858

Im Auftrag des preußischen Innenministeriums wird eine Planungskommission unter Vorsitz des Regierungsbaumeisters James Hobrecht eingesetzt, die die Verbesserung der städtischen Verhältnisse insbesondere in Bezug auf Infrastruktur, technische und hygienische Maßnahmen zum Ziel hat.

Im Zuge der Industrialisierung war es in Berlin zu einem schnellen Bevölkerungswachstum und einer Verschlechterung der hygienischen Verhältnisse, der Wohn- und Lebensbedingungen gekommen. Das Verkehrsaufkommen wächst rasant, und die sprunghaft wachsende Industrie trägt zur Luftverschmutzung bei.

Die Infrastruktur muss entwickelt werden, Bahnhöfe, breitere Straßen, ein ausgebautes Verkehrsnetz und die Schaffung technischer und hygienischer Voraussetzungen wie die Entwicklung einer Kanalisation zur Ableitung der Abwässer und die Versorgung mit sauberem Wasser sind nötig geworden.

Nach der Kartografierung des Ist-Zustandes sollen bereits vorliegende Pläne gesichtet und in die spätere Planung eingearbeitet werden. Dazu gehören die Vorschläge zur Stadtplanung von Karl Friedrich Schinkel, die Bebauungspläne von Johann Carl Ludwig Schmid von 1825 und 1830 und insbesondere die Stadtentwicklungspläne Peter Joseph Lennés von 1840.

1.1.1861

Eingemeindung der Tempelhofer Vorstadt nach Berlin. Daneben werden Wedding, Moabit, die Schöneberger, die Spandauer und weitere Vorstädte eingemeindet. Das Stadtgebiet verdoppelt sich nahezu; es wird erstmalig in 16 Bezirke gegliedert.

10.8.1861

Berliner Turnvereine legen zur 50-Jahrfeier der Einrichtung des ersten Turnplatzes in der Hasenheide den Grundstein für ein Denkmal Friedrich Ludwig Jahns. Bei mehreren Sammelaktionen kommen rund 14.000 Taler an Spenden zusammen.

18.7.1862

Der Hobrecht-Plan, der seit 1858 von der sogenannten Hobrecht-Kommission erarbeitet wurde, wird als „Bebauungsplan der Umgebungen Berlins“ genehmigt. Er umfasst in 14 Abteilungen das bebaute und kartografisch erfasste unbebaute Land der Städte Berlin und Charlottenburg sowie der Gemeinden Reinickendorf, Weißensee, Lichtenberg, Rixdorf und Wilmersdorf.

Der Plan sieht zwei ringförmige Gürtelstraßen vor, die die Städte Berlin und Charlottenburg komplett umgeben. Die dazwischen liegenden noch unbebauten Flächen sollen durch Diagonalstraßen und nach allen Richtungen führende Ausfallstraßen in rechtwinklige Baublöcke aufgeteilt werden. Zur Straße sollen bürgerliche Wohnhäuser entstehen, in den Innenhöfen ist Wohnraum für Arbeiter und Werkstätten vorgesehen. Hobrecht erwartet, dass dadurch verschiedene Bevölkerungsschichten friedlich zusammenleben können.

Der Hobrecht-Plan selbst legt nur den Verlauf der Straßen fest, weitergehende Vorschriften zur Bebauung der Blocks enthält er nicht.

nach 1862

Separation der alten Schlächterwiese (Schlächterhütung) vor dem Halleschen Tor. Alter Name: „der Plan“ (Wiesenplan), später „Am Urban„. Laut Abt. II des Bebauungsplans soll hier ein Wohnviertel entstehen. Mehrere Straßen werden angelegt.

Das Gelände umfasst in etwa den Bereich zwischen Zossener Straße, Landwehrkanal, Kottbusser Damm und Urbanstraße.

1865

Auf dem Gelände des Turnplatzes in der Hasenheide werden ein Wärterhaus, Umkleiden, Toiletten und Geräteschuppen errichtet. Der Platz wird von Schulen und Vereinsturnern genutzt.

1866

Die Straße Nr. 5, Abt. II des Bebauungsplanes (spätere Böckhstraße) ist bei der Separation des Urbans neu angelegt worden und wird fortan als öffentliche Straße ausgewiesen.

10.8.1872

Das Denkmal für Friedrich Ludwig Jahn in der Hasenheide wird enthüllt. Sein Fundament bilden 139 von Turnvereinen aus aller Welt geschickte Steinblöcke, die meisten mit eingemeißelten Widmungen versehen. Darüber erhebt sich eine vier Meter hohe Bronzestatue, die von Erdmann Encke geschaffen wurde.

1873-1874

Die Straße Nr. 6, Abt. II des Bebauungsplanes wird gebaut (spätere Dieffenbachstraße)

vor 1874

Der Rixdorfer Damm (Name seit dem 16. Jh.) erhält den Namen Kottbusser Damm.

Der Rixdorfer Damm war eine der ältesten Straßen Kreuzbergs, die als Heerstraße über Rixdorf nach Köpenick und Mittenwalde führte. Ende des 16. Jahrhunderts wurde sie als Heerstraße in Richtung Dresden verlängert.

1.11.1874

Die Straße Nr. 2, Abt. II des Bebauungsplanes erhält den Namen Urbanstraße.
Sie entstand bei der Separation der alten Schlächterwiese.

Die Doppelstraße B, Abt. II des Bebauungsplanes erhält den Namen Grimmstraße nach den Brüdern Jacob Ludwig Carl und Wilhelm Carl Grimm.

Die Straße Nr. 5, Abt. II des Bebauungsplanes erhält den Namen Böckhstraße nach dem Philologen August Boeckh (1785-1867). Die Straße ist bei der Separation des Urbans neu angelegt worden und seit 1866 als öffentliche Straße ausgewiesen.

Die Straße Nr. 9, Abt. II des Bebauungsplanes erhält den Namen Lachmannstraße nach dem Altphilologen und Germanisten Karl Lachmann (1793-1851).

1875

Regulierung und Pflasterung des Platzes A der Abt. II des Bebauungsplanes (ab 1889 Hohenstaufenplatz)

1.12.1875

Die Straße Nr. 7, Abt. II des Bebauungsplanes erhält den Namen Graefestraße nach dem Mediziner Friedrich Wilhelm Ernst Albrecht von Graefe (1828-1870).

Die Straße Nr. 8, Abt. II des Bebauungsplanes erhält den Namen Boppstraße nach dem Sprachforscher Franz Bopp (1791-1867).

22.12.1875

Die Straße Nr. 6, Abt. II des Bebauungsplanes erhält den Namen Dieffenbachstraße nach dem Mediziner Johann Friedrich Dieffenbach (1792-1847). Die Straße wurde 1873/74 gebaut.

Die Straße Nr. 4, Abt. II des Bebauungsplanes erhält den Namen Schönleinstraße nach dem Mediziner Johann Lukas Schönlein (1793-1864).

1878

Beschluss des Magistrats zur Errichtung eines städtischen Krankenhauses am Urban.

1883-1890

Erster Ausbau des Landwehrkanals. Die Sohle wird von 10 auf 22 Meter verbreitert und der Kanal auf fast der gesamten Länge mit Steilufern eingefasst. Die neue Wassertiefe beträgt nun 1,75 Meter. Nach der Beseitigung der Uferschrägen hat der Kanal eine nutzbare Breite von 22 Metern; Schiffe können anlegen, ohne den Durchgangsverkehr zu behindern.

12.5.1887

Magistratsvorlage für die Errichtung des dritten städtischen Krankenhauses (später Krankenhaus am Urban). Ein Teil der Bausumme wird durch das Vermächtnis von Fräulein Wilhelmine Eleonore Ottilie Beschort (600.000 Mark) aufgebracht.

Eleonore Beschort (1812-1881) war die Tochter des Komponisten, Schauspielers, Sängers und Regisseurs Friedrich Jonas Beschort (eigentlich Jonas Bauscher, 1767–1846). 1862 verfügte Eleonore Beschort, dass ihr gesamtes Vermögen (damals 400.000 Mark) der Stadtgemeinde Berlin zur Gründung einer Krankenheilanstalt zufallen sollte. Nach ihrem Tod wurde die durch Verzinsung auf 600.000 Mark angewachsene Summe zum Bau des Krankenhauses Am Urban verwendet. Damit konnten ca. 20% der Baukosten gedeckt werden. Eine Marmorgedenktafel im Vestibül des Verwaltungsgebäudes des Krankenhauses erinnerte an diese Stiftung. [1]

1887-1890

Nach Plänen des Architekten Hermann Blankenstein wird als drittes städtisches Krankenhaus das Krankenhaus am Urban in offener Pavillon-Bauweise errichtet.

Die mit Ziegeln verblendeten Mauerwerkbauten sind an einer zentralen Achse ausgerichtet: frontal der Verwaltungsbau zur damaligen Straße Am Urban (aufgehoben), beidseitig die Pavillonbauten mit Liegehallen, zur Grimmstraße die Wirtschaftsgebäude, das OP-Haus in der Mitte.

Die Pavillons sind schlichte, zweigeschossige Bauten, der dreigeschossige Frontbau ist mit gelben Ziegeln verblendet und mit Eckrisaliten, Gesimsbändern, roten Ziegelstreifen und Terrakotten geschmückt.

Mit wenigen Veränderungen hat der Komplex Bestand bis 1943, als bei einem Luftangriff 30% der Gebäude zerstört werden.

27.2.1889

Der Platz A, Abt. II des Bebauungsplanes erhält den Namen Hohenstaufenplatz nach der Stammburg der Staufer in der Schwäbischen Alb.

Der Platz heißt im Volksmund „Zickenplatz„, weil auf den ehemaligen Wiesen vor dem Kottbusser und Halleschen Tor einst Schafe und Ziegen weideten (Schäferhütung).

10.6.1890

Mit der Aufnahme der ersten Patienten um 9:00 Uhr erfolgt die Eröffnung des Krankenhauses am Urban (drittes städtisches Krankenhaus). Die Gesamtzahl der Betten beträgt 574. Davon stehen den inneren Abteilungen 192 Männer- und 166 Frauenbetten (insgesamt 358) und für die chirurgischen Abteilungen 120 Männer- und 96 Frauenbetten (zusammen 216) zur Verfügung. Geleitet wird das Krankenhaus von den beiden ärztlichen Direktoren Werner Körte und Albert Fraenkel. Übernahme von Patienten und 18 ausgebildeten Viktoria-Schwestern vom Krankenhaus im Friedrichshain.

1891-1896

Der Urbanhafen wird als erster größerer städtischer Hafen im Landwehrkanal gegenüber der Einmündung des ehemaligen Luisenstädtischen Kanals angelegt, um dem zunehmenden Bedarf an Umschlag- und Lagerplätzen für Baumaterialien gerecht zu werden.

Für das Hafenbecken wird der im Mittel rund 20 Meter breite Landwehrkanal zwischen der Baerwald- und Admiralbrücke auf rund 145 Meter verbreitert. Auf der Südseite ragt eine 293 Meter lange und 48 Meter breite, trapezförmige Ladeinsel tief in das Hafenbecken hinein. Ein 22 Meter breiter Seitenkanal trennt die Insel von den Uferanlagen.

Die Gesamtfläches des Urbanhafens beträgt 50.000 qm, davon 19.000 qm Landfläche (Länge 560 m, Breite 140 m). Eigentümer und Betreiber ist der Berliner Magistrat, ab 1. März 1923 die neu gegründete landeseigene Berliner Hafen- und Lagerhaus A.G. (BEHALA).

8.3.1894

Die Straßen Nr. 6 b und 6 c der Abt. II des Bebauungsplanes werden in Planufer benannt.

1895

Drei Jahre nach ihrer Entdeckung werden im Krankenhaus Am Urban erstmals Röntgenstrahlen angewandt.

7.6.1896

Der östliche Teil der Wilmsstraße zwischen Am Urban und der Straße 14 a, Abt. II des Bebauungsplanes (spätere Geibelstraße) wird ebenfalls in Planufer umbenannt.

Die Straße Nr. 2 a, Abt. II des Bebauungsplanes erhält den Namen Müllenhoffstraße nach dem Philologen Karl Victor Müllenhoff (1818-1884).

1896-1902

Entlang der inzwischen abgerissenen Akzisemauer in Kreuzberg wird die erste Berliner U-Bahn-Linie als Hochbahn gebaut.

1897

Auf dem Gelände des Turnplatzes in der Hasenheide wird eine Unterkunftshalle errichtet.

30.4.1899

Die Straße Nr. 13, Abt. II des Bebauungsplanes erhält den Namen Fontanepromenade.

12.3.1902

Das Krankenhaus Am Urban übernimmt die Verwaltung über das ehemalige Erziehungshaus in der Urbanstraße 23. Während der Weimarer Republik dient es als Gesundheitshaus mit sozialmedizinischen Einrichtungen, 1933-45 als SA-Sanitätsschule. Wegen der schweren Kriegsschäden wird es nach dem Krieg abgerissen; auf dem Gelände befindet sich heute das Gesundheitsamt Kreuzberg.

2.3.1905

Die evangelisch-methodistische Gemeinde Berlin erwirbt vom Königlichen Eisenbahnfiskus für 171.000 Mark das Grundstück Dieffenbachstraße 39 und errichtet hier mit Spendengeldern die Christuskirche.

Oktober 1905

Grundsteinlegung für den Bau der evangelisch-methodistischen Christuskirche in der Dieffenbachstraße 39 durch den Architekten George Pourroy.

16.9.1906

Die neu errichtete evangelisch-methodistische Christuskirche der Evangelischen Gemeinschaft in Berlin in der Dieffenbachstraße 39 wird mit einem Gottesdienst eingeweiht. Die Bausumme von 375.500 Mark wurde aus Spendengeldern aufgebracht. Ein Großteil der Spenden stammte aus den großen Gemeinden in Amerika.

1907

Im Krankenhaus am Urban wird mit Lina Auguste Schiemann die erste Volontärärztin eingestellt.

26.11.1907

Grundsteinlegung für das Krankenhaus Bethesda in der Dieffenbachstraße 40.

1911

Die Jüdische Gemeinde zu Berlin erwirbt das Grundtück Kottbusser Ufer 48-50 (heute Fraenkelufer 10-16). 1913-1916 entsteht hier eine Synagoge.

1912

Erweiterung des Krankenhauses am Urban durch die Zwischenbauten  3/5 (Apotheke) und 5/7 (Ärztehaus)

1913-1916

Der Baumeister der Jüdischen Gemeinde zu Berlin Alexander Beer errichtet auf dem Grundstück Kottbusser Ufer 48-50 (heute Fraenkelufer 10-16) eine orthodoxe Synagoge mit Platz für rund 2.000 Gläubige.

1.8.1914

Deutschland erklärt Russland den Krieg.

Viele Assistenzärzte des Urban-Krankenhauses melden sich freiwillig zum Kriegsdienst und müssen zum Teil durch niedergelassene Ärzte ersetzt werden. 240 Betten werden fortan durch die Militärbehörde für Kriegsverletzte genutzt.

1915

Diphterie-Epidemie in Berlin. Im Krankenhaus am Urban wird eine Diphteriestation eingerichtet. Nach dem Rückgang der Epidemie werden die zusätzlcihen Betten für andere Infektionskrankheiten, insbesondere Malaria genutzt.

17.9.1916

Einweihung der orthodoxen Synagoge am Kottbusser Ufer 48-50 (heute Fraenkelufer 10-16). Rabbiner von 1916 bis 1932 ist Dr. Isidor Bleichrode.

Die Synagoge besteht aus einem Hauptgebäude sowie mehreren Nebengebäuden, in denen eine Wochentagssynagoge, Dienstwohnungen sowie ein Gebäude für den Jugendgottesdienst untergebracht sind. Sie dient nicht nur für Gottesdienste sondern auch als Gemeindezentrum.

13.6.1918

Für die sechs im Krieg gefallenen Gemeindemitglieder der evangelisch-methodistischen Christuskirche in der Dieffenbachstraße wird eine Gedenktafel enthüllt.

1.11.1924

Im Krankenhaus am Urban wird eine eigene Krankenpflegeschule eingerichtet.

1929

Erweiterung des Krankenhauses am Urban durch fünf Baracken auf dem Gelände Urbanstraße 23. Einrichtung einer HNO-Abteilung.

10.3.1933

Besetzung des Krankenhauses am Urban durch SA-Leute. Die beiden jüdischen Leiter sowie mehrere jüdische Ober- und Assistenzärzte werden ihres Amtes enthoben. Verhaftung und Vertreibung jüdischer Mitarbeiter.

1933

Einrichtung einer gynäkologischen Abteilung im Krankenhaus am Urban. Gemäss dem Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses werden ab 1933 im Krankenhaus am Urban Zwangssterilisationen und Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt.

1934

Mit dem Ausbau der Ladeinsel kommt es zu einem kleinen Aufschwung des Urbanhafens, der nach der Verfüllung des Luisenstädtischen Kanals 1926 zunehmend an Bedeutung verloren hatte.

Das Aus für den Turnplatz in der Hasenheide kommt mit der Entscheidung, diesen Teil der Hasenheide in ein „Volksheiligtum“ umzuwandeln.

1936-1941

Zweiter großer Umbau des Landwehrkanals. Schleusen werden verlegt und erweitert, in der Mitte der Fahrrinne ist der Kanal nun 2 Meter tief. Die Brücken bleiben allerdings unverändert – bei Durchfahrten wird der Raum nach oben knapp.

21.6.1936

Motorbootrennen im Urbanhafen: „Es ist das erste Mal, daß ein solches Rennen sozusagen mitten im Häusermeer der Großstadt ausgetragen wird“, heißt es in der Zeitungsvorschau für das erste Rennen am 21. Juni 1936 (Internationale Motorbootregatten im Juni, in: Yacht, 1936, Heft 18, S. 26)

2.8.1936

Während der Olympischen Sommerspiele wird der umgestaltete Bereich des Jahndenkmals in der Hasenheide eingeweiht. Das Denkmal wurde um ca. 80 Meter nach Südwesten verlegt und auf einer erhöhten Stelle platziert. Die vorher eher ungeordnet angehäuften Steinblöcke mit Widmungen von Tunrvereinen aus aller Welt sind nun in Reih und Glied ausgerichtet und bilden einen halbrunden Sockel, auf dem die Bronzestatue von Erdmann Encke steht. Zu Jahns Füßen erstreckt sich ein ca. 100 Meter langer Aufmarschplatz, umfasst von einer Grünanlage. Nachts wird die Anlage beleuchtet.

1938

Im Krankenhaus am Urban wird auf dem Grundstück Urbanstraße 10/11 eine Baracke für Klein- und Schulkinder eingerichtet (Infektionskrankheiten)

9./19.11.1938

Das Hauptgebäude der Synagoge am Kottbusser Ufer 48-50 (heute Fraenkelufer 10-16) wird durch Brandstiftung schwer beschädigt. Die Gemeinde nutzt stattdessen die Jugendsynagoge auf demselben Grundstück.

11.12.1938

Eröffnung des Infektionskrankenhauses Graefestraße

1.4.1940

Übernahme der 1906 erbauten Entbindungsanstalt Müllenhoffstraße durch das Krankenhaus am Urban.

28./29.8.1940

Beim zweiten Luftangriff der Royal Air Force auf Berlin dringen britische Bomber in den Luftraum bis über Kreuzberg ein, und die ersten zwölf Berliner werden durch Bomben getötet. Betroffen ist vor allem das Gebiet um den Görlitzer Bahnhof, aber auch die Christuskirche und das benachbarte Bethesda-Krankenhaus in der Dieffenbachstraße werden von Brandbomben getroffen und schwer beschädigt, der Dachstuhl des Bethesda-Krankenhauses wird zerstört.

1942

Einrichtung eines Hilfskrankenhauses in Schulgebäuden in der Graefestraße: Haus A (Berufsschule) mit 25 Betten für Scharlachkranke, Haus B (Volksschule) für Diphtheriekranke. Betrieben wird das Hilfskrankenhaus durch das Krankenhaus am Urban.

Die Gestapo beschlagnahmt das Grundstück der orthodoxen Synagoge am Kottbusser Ufer 48-50 (heute Fraenkelufer 10-16). Sie nutzt das Gelände zum Abstellen von Militärfahrzeugen und lagert geraubte jüdische Besitztümer im Gebäude ein. Bis 1944 kommt es im Rahmen des Zweiten Weltkrieges zu weiteren Zerstörungen des Komplexes.

19.1.1943

Bei einem Luftangriff werden ca. 30% der Gebäude des Krankenhauses am Urban zerstört. 20 Mitarbeiter und 29 Patienten finden den Tod.

Oktober 1944

Bei Luftangriffen auf Berlin wird die Christuskirche in der Dieffenbachstraße schwer getroffen; das Dach und alle Fenster sind komplett zerstört. Ausgebombte Nachbarn lagern im ehemaligen Kirchensaal ihre Möbel und Habseligkeiten.

28.4.1945

Die Rote Armee besetzt vorübergehend das Krankenhaus am Urban.

1951

An der Urban- Ecke Grimmstraße wird eine Rettungsstelle und Aufnahme für das Krankenhaus Am Urban gebaut

16.8.1953

Motorbootregatta im Urbanhafen: „20.000 Zuschauer bei einer Motorbootregatta – dicht gesäumt war der Urbanhafen…“, heißt es zu der Veranstaltung (Rennbericht in: Illustrierter Motorsport, 1953, Heft 16, S. 20)

Weil der Kurs für die immer schneller werdenden Rennboote zu kurz und schmal ist, werden ab 1956 keine Rennen im Hafen mehr durchgeführt.

1954

Aufstockung der Frauenklinik im Krankenhaus am Urban; Wiederaufbau des zerstörten Hauses 5

16.8.1956

Ein Straßenabschnitt des Planufers wird umbenannt in Johanniterstraße.

1958

Abriss der während des Novemberpogroms 1938 und des Zweiten Weltkriegs zerstörten Synagoge am Fraenkelufer 10-16 (ehemals Kottbusser Ufer 48-50).

1958/1959

Bau und Inbetriebnahme (01.12.59) des Schwesternwohnheims des Urban-Krankenhauses, Fontanepromenade 12/13

22.4.1959

Die umgebaute ehemalige Jugendsynagoge am Fraenkelufer wird erneut geweiht und dient bis heute als Synagoge der Gemeinde.

1963/1964

Schließung des Urbanhafens, nachdem die BEHALA sich auf den Umschlag in wenigen großen Häfen konzentrierte und der Urbanhafen in den 1950er Jahren endgültig ausgedient hatte.

Das Hafenbecken wird aufgefüllt, der Seitenkanal zugeschüttet und somit die Ladeinsel in den südlichen Uferbereich einbezogen. Auf dem Gelände steht heute der Erweiterungsbau des Krankenhauses am Urban (aktuell: Vivantes-Klinikum Am Urban) von Peter Poelzig. Die Ladezonen des Hafens wichen einer öffentlichen Uferpromenade mit Grünanlage.

25.11.1965

Der westliche Teil des Planufers zwischen Geibel- und Brachvogelstraße bekommt den Namen Carl-Herz-Ufer.

15.6.1966

Beginn der Bauarbeiten für den ersten Neubau eines städtischen Krankenhauses nach dem Krieg. Grundsteinlegung im Urban-Krankenhaus durch den Regierenden Bürgermeister Willy Brandt

1.7.1966

Der Abschnitt der Straße Am Urban zwischen der Dieffenbachstraße und dem Planufer nach der Anschlußstraße wird in Dieffenbachstraße umbenannt.

24.5.1968

Richtfest für den Neubau des Urban-Krankenhauses

13.12.1969

In der Böckhstraße 22/23 wird der Grundstein für das Ernst-Pieper-Seniorenwohnheim gelegt. Das Wohnheim ist ein Haus der Evangelisch-methodistischen Kirche und gehört zum Bethesda Seniorenzentrum Berlin (Dieffenbachstraße 40).

28.8.1970

Einweihung des Neubaus des Urban-Krankenhauses in Anwesenheit des Bundespräsidenten Gustav Heinemann

1971

Fertigstellung und Eröffnung des  Ernst-Pieper-Seniorenwohnheims in der Böckhstraße 22/23. Das Wohnheim gehört zum Bethesda Seniorenzentrum Berlin (Dieffenbachstraße 40). Ernst Pieper von 1914 bis 1926 Pastor der evangelisch-methodistischen Christuskirche (Dieffenbachstraße 39).

10.1.1972

Ein Teil der Straße Am Urban wird in Fontanepromenade umbenannt.

1.10.1975

Der westliche Teil der Urbanstraße wird in Blücherstraße umbenannt.

1.10.1976

Das Krankenhaus am Urban nimmt den Betrieb als Akademisches Lehrkrankenhaus auf

1981

Erweiterung des Neubaus des Urban-Krankenhauses durch eine Intensivstation mit OP-Trakt. Abtrennung der Neurologischen Abteilung von der Psychiatrie.

16.7.1985

Richtfest für den Anbau des Urban-Krankenhauses (neuer OP-Trakt und operative Intensivstationen; urologische Endoskopie)

1987

In der Hasenheide wird das Historische Turnfest mit einer Ausstellung begangen. Die eigens nachgebauten Turngeräte werden anschließend zerlegt und in der ehemaligen Unterkunftshalle auf dem Gelände des letzten Turnplatzes (1844-1934) eingelagert.

1994

Inbetriebnahme des Hubschrauberlandeplatzes am Urban-Krankenhaus

2007

Erster Spatenstich für die Errichtung einer hinduistischen Tempelanlage, die an der Stelle des letzten Turnplatzes in der Hasenheide (1844-1934) entstehen soll. Der Trägerverein Sri Ganesha Hindu Tempel e.V. plant hier den Bau des Sri-Ganesha-Hindu-Tempel Berlin

Quellen

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